Stalingrad: Massengrab

2,69 €

Der Winter kam früh in diesem Jahr.
Er kam nicht mit Stürmen oder Warnungen, sondern leise. Mit Schnee, der liegen blieb. Mit Kälte, die nicht mehr wich. Mit Tagen, die kürzer wurden, bis sie sich kaum noch voneinander unterscheiden ließen.

Irgendwann hörte die Stadt auf, eine Stadt zu sein. Straßen wurden zu Trichtern, Häuser zu Haufen, Namen zu Richtungen, die es nicht mehr gab. Was blieb, war Bewegung – und das Warten auf ihr Ende.

Dieser Roman beginnt dort, wo Pläne bedeutungslos werden. Wo Befehle noch ausgesprochen, aber nicht mehr geglaubt werden. Wo Hoffnung kein Gefühl mehr ist, sondern ein rechnerischer Fehler.

Die Männer in diesem Buch wissen früh, dass es keinen Ausweg gibt. Sie wissen es nicht gleichzeitig, nicht gemeinsam, nicht offen. Aber jeder weiß es für sich, in einem anderen Moment, auf eine andere Weise. Manche beim Blick auf eine Karte. Manche beim ersten Hunger. Manche erst, wenn die Stille länger anhält als der Beschuss.

Was folgt, ist kein Zusammenbruch, sondern ein langsames Abtragen. Von Kraft. Von Sprache. Von Zeit. Der Krieg wird kleiner, enger, körperlicher, bis er nicht mehr draußen stattfindet, sondern in jedem Schritt, jedem Atemzug, jedem Gedanken.

Dieses Buch erzählt von diesem Weg.
Nicht von seinem Anfang. Nicht von seinem Ende.
Sondern von dem Dazwischen – dort, wo Menschen aufhören, etwas zu werden, und anfangen, etwas zu ertragen.